KarriereInsights mit Mag. Irina Gföllner & Florian Vidreis, LL.M., BSc
In unserem neuesten KarriereInsights-Interview sprechen Mag. Irina Gföllner und Florian Vidreis, LL.M., BSc über ihren Weg in die Rechtsbranche und die Herausforderungen sowie Chancen, die ihnen dabei begegnet sind. Sie teilen ihre persönlichen Erfahrungen, geben wertvolle Einblicke in ihren Arbeitsalltag und verraten, wie sie die erst kürzlich abgelegte Rechtsanwaltsprüfung und vor allem die Vorbereitungszeit gemeistert haben. Außerdem geben sie Karrieretipps für angehende Juristinnen und Juristen. Ein inspirierendes Gespräch für alle, die sich für eine Laufbahn in der Anwaltei interessieren!
Sie haben beide Ihre Studienzeit mit herausragenden Leistungen abgeschlossen. Was hat Sie denn ursprünglich dazu bewogen, sich für ein Studium der Rechtswissenschaften bzw Wirtschaftsrecht bei Herrn Vidreis zu entscheiden? Und welche Routinen und Lernstrategien waren entscheidend für Ihren Studienerfolg?
Gföllner: Ursprünglich hatte ich während der Schulzeit eine ganz andere berufliche Richtung im Kopf. Dann habe ich zwischen Schulabschluss und Studienanfang ein Gap Year gemacht und mir dort bewusst Zeit genommen, um herauszufinden, wo meine Stärken liegen, wie ich arbeiten möchte und was mir Spaß macht. So bin ich zum Jus-Studium gekommen – und diese Entscheidung hat sich im Laufe des Studiums absolut bestätigt.
Mir hat im Studium eine feste Lernroutine sehr geholfen. Während der Lernphasen war ich regelmäßig in der Bibliothek, was mir eine klare Struktur und ein fokussiertes Arbeitsumfeld geboten hat. Dabei hatte ich natürlich das Glück, eine engagierte und zielstrebige Freundesgruppe gefunden zu haben, mit der ich gemeinsam an der Uni gelernt habe.
Vidreis: Gegen Ende meiner schulischen Laufbahn hat sich bei mir immer mehr ein wirtschaftliches Interesse entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Berührungspunkte zur Rechtswissenschaft. Ich habe mich dann zunächst für das betriebswirtschaftliche Studium Wirtschaft & Recht an der Universität Klagenfurt entschieden. Während dieser Zeit habe ich bemerkt, dass diese Kombination genau die richtige für mich ist. Deshalb war es für mich nach dem Studium in Klagenfurt der nächstlogische Schritt, auf die WU zu wechseln, um Wirtschaftsrecht zu studieren.
Ich habe mir immer sehr konkrete Lernpläne erstellt, um den Lernaufwand möglichst gut aufzuteilen und Tagesziele gesetzt, um Zwischenerfolge zu erreichen. So hat man regelmäßig motivierende Erfolgserlebnisse. Zudem hat mir eine sportliche Routine am Abend sehr geholfen, den Kopf frei zu bekommen und den Körper neben dem vielen Sitzen fit zu halten.
Herr Vidreis, Sie haben ein Auslandssemester an der Universität St. Gallen gemacht, Frau Gföllner hat ein Auslandssemester in Rotterdam absolviert. Inwiefern hat diese Zeit Ihre persönliche Entwicklung und Ihren Karriereweg beeinflusst?
Gföllner: Mein Auslandssemester war für mich unglaublich wertvoll. Ich wurde immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert, habe Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit anderen Blickwinkeln kennengelernt. Besonders spannend war es auch, zu erleben, wie die Lehre an einer ausländischen Universität gestaltet wird. Rückblickend kann ich sagen: Ich habe aus dieser Zeit viele neue Perspektiven und wertvolle Erkenntnisse mitgenommen und würde ein Auslandssemester jedem nahelegen.
Vidreis: Meine Zeit in St. Gallen hat mich persönlich sehr geprägt und ich bin wirklich dankbar, im Rahmen des THEMIS-Austauschprogramms einige sehr interessante und lehrreiche Lehrveranstaltungen im internationalen Wirtschaftsrecht absolviert und dabei viele tolle Menschen kennengelernt zu haben. Neben akademischen Erfahrungen, wodurch man zukünftig in vielerlei Hinsicht profitieren kann, kommt auch der Spaß bei sehr vielen soziale Aktivitäten nie zu kurz. :)
Ich würde daher jedem Jus-/Wirtschaftsrechtstudenten empfehlen, über die Absolvierung eines Auslandssemesters zumindest intensiv nachzudenken.
Sie sind beide als Rechtsanwaltsanwärter:in bei E+H tätig. Dies jedoch in unterschiedlichen Practice Groups. Wie haben Sie Ihr jeweiliges Steckenpferd gefunden und was hat Sie an diesen Fachbereichen besonders gereizt?
Gföllner: Schon während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich mich eher für den privatrechtlichen Bereich interessiere. Ausschlaggebend war sicher auch der Moot Court Zivilrecht. Dabei habe ich gemerkt, wie sehr mir die "kernjuristische" Tätigkeit gefällt. Dispute Resolution bei E+H reizt mich auch deshalb, weil es so facettenreich ist: Von der strategischen Mandantenberatung über die inhaltliche Ausarbeitung von Argumentationslinien bis hin zur Erstellung von Schriftsätzen und natürlich der Verhandlung vor Gericht. Großen Einfluss hat auch die wirtschaftliche und unternehmerische Dimension, die in unsere Beratung einfließt. Und nicht zuletzt begeistert mich die inhaltliche Vielfalt – kein Fall gleicht dem anderen, und genau diese Abwechslung macht für mich den Reiz aus.
Vidreis: Ich habe neben dem Studium als Praktikant und juristischer Mitarbeiter in verschiedenen Wiener Wirtschaftsrechtkanzleien in den Bereichen Corporate / M&A sowie Start-ups + Venture Capital erste tolle Erfahrungen gesammelt. Durch das Verfassen meiner Bachelor- und Masterarbeit in diesen Bereichen und die Teilnahme am M&A-Moot Court wurde mein Interesse an diesen Fachbereichen weiter bestärkt. Vor allem die enge Vernetzung von Betriebswirtschaft und Recht finde ich spannend und dass man dabei gestaltend tätig sein und den Mandanten umfassend beraten kann. Bei E+H beraten wir regelmäßig sowohl in M&A- als auch in VC-Transaktionen, weshalb die Arbeit inhaltlich abwechslungsreich und für mich sehr interessant ist.
Erst vor kurzem haben Sie beide die Rechtsanwaltsprüfung, welche als außerordentlich anspruchsvoll gilt, erfolgreich abgeschlossen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, und welche Strategien haben Ihnen beiden am meisten geholfen? Gibt es etwas, das Sie rückblickend anders machen würden?
Gföllner: Ja, die RAP ist sicher eine Herausforderung. Am Anfang der Vorbereitungszeit habe ich vor allem mein Basiswissen gefestigt und erweitert, bevor ich mich später gezielt auf die Kommission vorbereitet habe. Da die mündliche Prüfung besonders wichtig ist, habe ich viel mit meiner Prüfungspartnerin durchbesprochen. Außerdem fand ich es hilfreich, komplexe Themen laut zu erklären – so merkt man, ob man die Themen wirklich verstanden hat und lernt strukturierte Antworten zu geben. Sport als Ausgleich war mir nebenher, wie bei Florian (Vidreis), super wichtig. Rückblickend würde ich die Fächer beim Lernen stärker abwechseln, um die Inhalte in kürzeren Abständen zu wiederholen.
Vidreis: Die Zeit vor dem Erhalt meiner Prüfungskommission habe ich dafür genützt, zentrale Themengebiete, die jedenfalls geprüft werden (zB Zivilrecht, Strafrecht), zu wiederholen und um wieder in einen geregelten Lernalltag hineinzufinden. Sobald die Prüfungskommission bekannt war, habe ich mich mit ehemaligen Prüflingen meiner Prüfungskommission in Verbindung gesetzt, um die Besonderheiten und Spezialgebiete der mir zugeteilten Prüfer zu erfahren und meinen vollen Fokus auf das Lernen und Wiederholen der Walzen gelegt. Meine Prüfungspartnerin und ich haben uns zudem regelmäßig gegenseitig abgeprüft, um das mündliche Frage-Antwort-"Spiel" zu verbessern. Ich würde die Vorbereitungszeit wieder genau so gestalten, mir aber folgenden eigenen Tipp noch mehr zu Herzen nehmen: Die Vorbereitungs- und Prüfungsphase kann man meines Erachtens wirklich mit einem Marathon vergleichen – das heißt du musst mental und physisch über eine echt lange Strecke kommen und solltest dann noch genug Energie haben, um einen hervorragenden Schlusssprint hinzulegen. Als Läufer kenne ich das nur allzu gut. ;)
Wie Sie schon angedeutet haben, ist neben der fachlichen Vorbereitung auch das mentale Durchhaltevermögen entscheidend. Gab es Momente, in denen Sie an Ihre Grenzen gestoßen sind? Wenn ja, wie haben Sie diese überwunden?
Gföllner: Neben dem Stoffumfang war die mentale Herausforderung sicher eine der tatsächlich größten Herausforderungen bei der Prüfung. Mir hat Sport und regelmäßige Bewegung geholfen, mit dem mentalen Druck besser umzugehen. Ansonsten habe ich mich so gut wie möglich abgelenkt, zum Beispiel mit Podcasts, Fernsehen oder Gesprächen mit Familie und Freunden. Und was mich zusätzlich motiviert hat: Mir bewusst zu machen, dass diese Phase auch vorbeigeht. Allein die Aussicht darauf hat mir schon sehr geholfen.
Vidreis: In dieser drei- bis viermonatigen Phase erlebt man natürlich einige mentale Höhen und Tiefen. Es ist dabei besonders wichtig, sich darauf zu besinnen, dass man ohnehin sein bestes in dieser herausfordernden Zeit gibt. Wie auch bei Irina: das persönliche Umfeld ist sehr wichtig. Du brauchst Menschen, die dich supporten, dich motivieren oder einfach nur da sind. Meine Lebensgefährtin und meine Familie waren da eine super Unterstützung. Nachdem Sport ein immens wichtiger Teil meines Lebens ist, hat mir auch mein regelmäßiges Laufen sehr gut getan, um etwas vom Lernstress abschalten zu können.
E+H ist bekannt für die gezielte Förderung junger Talente. Inwiefern hat die Kanzlei Sie vor oder auch während Ihrer Vorbereitung auf die RAP unterstützt?
Gföllner: Ich habe allein aus dem Arbeitsalltag schon sehr viel für die Prüfung mitnehmen können. Ich habe also die Erfahrung gemacht, dass man in einer Großkanzlei mit einem hochspezialisierten Umfeld sehr gut auf die RAP vorbereitet und ausgebildet werden kann. Die praxisnahe Arbeit und der Austausch mit erfahrenen Kolleg:innen haben mir fachlich, aber auch in Bezug auf die strategische Herangehensweise an komplexe juristische Fragestellungen sehr weitergeholfen. Aber auch die E+H Academy's waren hilfreich, weil man dort wertvolle Einblicke aus der Praxis erhält. Die Academy's finden bei uns in regelmäßigen Abständen statt und haben aktuelle Entwicklungen oder wichtige Basics zum Thema. So bekommt man Know-How und Einblicke aus erster Hand abseits vom eigenen Arbeitsalltag.
Vidreis: Bereits vor der Absolvierung der RAP ist man bei E+H schon sehr aktiv in die direkte Mandantenbetreuung involviert und hat die Möglichkeit, Projekte schon weitgehend selbständig zu betreuen und abzuwickeln. Bei den E+H Academy-Veranstaltungen erhält man zudem tolle praxisnahe Einblicke in die Tätigkeit und die rechtlichen Aufgaben der anderen Praxisgruppen. Während der RAP-Vorbereitungszeit habe ich außerdem sehr hilfreiche Unterstützung von meinem zuständigen Partner erhalten, der insbesondere bei Spezialfragen des Immobilienrechts immer ein offenes Ohr für mich hatte. Die von E+H für die RAP-Phase vorgesehenen Rahmenbedingungen haben es mir insgesamt sehr gut ermöglicht, mich vollständig auf das Lernen und das erfolgreiche Absolvieren der RAP zu konzentrieren.
Wo sehen Sie sich in den nächsten Jahren? Gibt es ein bestimmtes Karriereziel, das Sie anstreben?
Gföllner: In den nächsten Jahren möchte ich weiter an meinen beruflichen Zielen arbeiten und dabei sowohl fachlich als auch persönlich wachsen. Dabei ist es mir wichtig, weiterhin in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich die Chance habe, mich weiterzuentwickeln und langfristig positive Impulse zu setzen. Mittelfristig möchte ich versuchen, meine Sichtbarkeit auszubauen, beispielsweise durch Publikationen und Vorträge oder bei fachspezifischen Netzwerken und Events.
Vidreis: Mein Hauptaugenmerk liegt weniger auf einem ganz bestimmten Karriereziel, sondern vielmehr darauf, mich step-by-step laufend persönlich und beruflich weiterzuentwickeln und immer mein Bestes zu geben. Die verbleibende Praxiszeit als Konzipient möchte ich daher vor allem noch dafür nützen, um mich bestmöglich auf eine Tätigkeit als Rechtsanwalt in den Bereichen Corporate / M&A sowie Start-ups + Venture Capital vorzubereiten.
Vielen Dank für die spannenden Einblicke in Ihre Karrierewege und viel Erfolg bei Ihrem weiteren Weg.
Steckbrief: Persönliche Fragen an Mag. Irina Gföllner & Florian Vidreis, LL.M., BSc
Was darf auf Ihrem Schreibtisch nie fehlen?
Gföllner: Wasser :)
Vidreis: Belohnungssnack :)
Welche drei Worte beschreiben Sie am besten?
Gföllner: Zielstrebig, Optimistisch, Strukturiert.
Vidreis: Ehrgeizig, Perfektionistisch, Pünktlich.
Angenommen es gibt keine Juristen mehr - welchen Beruf hätten Sie dann?
Gföllner: Ich wäre vielleicht Ärztin.
Vidreis: Physiotherapeut.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Gföllner: Ganz nach Lust und Laune entweder Factfulness von Hans Rosling oder einen Krimi, der in der französischen Bretagne spielt.
Vidreis: Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung von James Clear
Welche App ist für Sie unverzichtbar?
Gföllner: WhatsApp
Vidreis: Flashscore
Ihr Lieblingszitat?
Gföllner: "Use your head, it's the only thing that sets you apart."
Vidreis: "You miss 100% of the shots you don't take."
